HP16C

QC100005

Dieses mal kein Foto-Thema, auch nicht im Entferntesten. Sondern ich möchte über meinen kleinen Helfer im beruflichen Alltag berichten, der mich seit über 25 Jahren begleitet: Der HP16C.

Der Name ist Programm: Die 16 steht für das Hexadezimalsystem, das auch in Computer-Programmiersprachen verwendet wird um Binärzahlen darzustellen. Alles in dem Taschenrechner ist darauf ausgelegt. Man kann die Wortbreite, d.h. die Anzahl Binärstellen, einstellen, bis 64 Bit (zum Glück ist das die derzeit übliche Grenze bei Computern, zur Zeit der Entwicklung des Rechners war die Wortbreite noch bei 16 und 32 Bit).

Er ist programmierbar um immer wiederkehrende Berechnungen durchführen zu können (was ich aber kaum nutze), und alle in Computern übliche Operationen können mit ihm durchgeführt werden, um zu kontrollieren, ob man richtig programmiert hat (Logische Operationen, Bit-Shift, 1-Komplement, 2-Komplement).

Zur damaligen Zeit gab es praktisch zwei Hersteller von hochwertigen Taschenrechnern: TI (Texas Instruments) und HP (Hewlett-Packard). Es gab zwei Lager, man kann es fast mit Microsoft und Apple vergleichen, wobei HP für Apple stand (was auch in der Geschichte liegt, beide Firmen sind entstanden als Garagen-Firmen). Und auch die philosophischen Grundlagen unterschieden sich.

TI steht für die algebraische Berechnung der Ergebnisse. Im Prinzip konnte man die Rechnung so eingeben, wie sie auf dem Papier steht, mit Eingabe von ( und ) um Vorrang anzuzeigen und das Ergebnis erscheint nach Druck auf die =-Taste. Inzwischen funktionieren auch die Taschenrechner von HP überwiegend so.

Aber damals war dies anders. HP setzte konsequent auf RPN, die Reversed Polish Notation (UPN auf deutsch). Man berechnet nicht von links nach rechts, sondern von innen nach außen. Dazu wird ein Stack (Stapel) -System für die Zwischenergebnisse benötigt. Man gibt zuerst die beiden Operanden ein und nach Druck auf die Operationstaste steht das Ergebnis da. Wenn man weiterrechnen will, muss dieses Ergebnis in den Stack gebracht werden. Daher ist war größte Taste bei HP-Rechner nicht die =-Taste (die gibt es gar nicht), sondern die ENTER-Taste, mit der man einen Wert auf den Stack legen kann.

Weitere Infos dazu bei Wikipedia.

Aus der damaligen Rechner-Serie (Voyager-Serie, HP10C, HP11C, HP12C, HP15C und HP16C) ist der finanzmathematische Rechner HP12C immer noch auf dem Markt. Die anderen drei Rechner waren mathematisch-naturwissenschaftliche Rechner mit verschiedenen Funktionsleveln.

Leider ist der HP16C seit 1989 nicht mehr erhältlich, Ich habe also einen der letzten erhalten. Es gibt und gab auch keinen anderen Rechner, der so konsequent für die Bedürfnisse von Informatikern ausgerichtet ist wie der HP16C. Die neuen Rechner haben zwar die BIN/OCT/HEX-Modi, damit man zumindest umrechnen kann, aber eben nicht die anderen Binärfunktionen (Komplement, Shift, Maskierung etc.). Die einzigen „Konkurrenten“ kamen von TI, die TI Programmer-Serie, sowie der Casio CM100, beide aber nicht so konsequent und durchdacht wie der HP16C.

Warum schreibe ich das alles, wenn es den HP16C doch schon seit 25 Jahren nicht mehr gibt? Weil – er lebt! In der virtuellen Welt kann man weiterhin mit dem HP16C arbeiten.

Wer also Interesse hat an diesem außergewöhnliche Gerät kann es virtuell ausprobieren. Direkt jetzt, im Browser:

Web HP16C emulator

Offline kann man den Java-Emulator verwenden.

Auch für Android gibt es Emulationen, z.B. den WRPN-16C und den RPN-16C, die ich bei Bedarf unterwegs nutze, aber nicht kostenlos ist.

Wer nur mal RPN ausprobieren möchte, auch außerhalb der Programmierung und des Binärsystems, dem empfehle ich natürlich die (umstellbaren) Rechner von HP oder den Android-Rechner RealCalc, der ebenfalls umstellbar ist.

Leider kann ich zu IOS-Programmen nichts sagen, aber ich gehe davon aus, dass auch in der IOS-Welt der HP16C noch lebt.